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Heinrich Berger
Heinrich Berger (85) nimmt
stets an der Aufwärm-
gymnastik teil.

Am Stock gehen

SPORTLICH. Jetzt sind sie wieder unterwegs, der Frühling kommt. Die NRZ schaute beim Weseler Lauftreff vorbei. Seit 1983 drehen die Mitglieder ihre Runden durch Obrighoven.

WESEL. Sport in der Gruppe macht einfach mehr Spaß. Runden um den Auesee oder Walken auf dem Deich, Dauerlauf durch den Aaper Busch - jetzt, da der Frühling naht, starten wieder die zahlreichen Gruppen in die Saison. Zum Beispiel der Weseler Lauftreff, dessen Akteure die NRZ am Wochenende besuchte.

Jeden Samstagnachmittag, in den Sommermonaten auch am frühen Mittwochabend, trifft sich die Gruppe sportbegeisterter Männer und Frauen zum gemeinsamen Laufen. Dabei funktioniert genau genommen nur der Start gemeinsam, wie Gruppenleiter Georg Berger (50) erklärt.

"Denn jeder hat natürlich sein eigenes Tempo, und auch seine eigene Distanz und Strecke, die er läuft." Immer samstags um 14 Uhr treffen sich die Läufer in Obrighoven an den Bahnschienen am Aaper Weg, absolvieren dort ein gemeinsames Gymnastikprogramm zum Aufwärmen und laufen dann los in die nahe liegenden Wald- und Wiesengebiete.

Angefangen hat die Geschichte des Weseler Lauftreffs 1983. Professor Dr. Klaus Haerten hielt damals einen Vortrag in der Volkshochschule zum Thema Sport und gesunde Ernährung. Der Redner merkte an, wieviel Spaß es machen könne, in einer Gruppe gemeinsam Sport zu treiben. Viele seiner Zuhörer fanden die Idee gut und treffen sich seitdem regelmäßig.

Noch heute sind eine ganze Reihe der Läufer Woche für Woche dabei, die bereits 1983 bei den ersten Treffen an den Start gingen, so zum Beispiel Edeltraud Seidel und ihr Mann Herbert. Die 70-Jährige und ihr zwei Jahre jüngerer Mann waren schon immer sportlich aktiv und waren von der Idee einer Gruppe damals direkt begeistert. "Das macht gemeinsam einfach doppelt soviel Freude", findet Edeltraud Seidel. "Und außerdem hält es fit." Fast jede Woche hat sie in den vergangenen 24 Jahren an den Treffen mit den anderen Läufern teilgenommen. Einmal sei sie beispielsweise beim Laufen über einen Baumstumpf gestolpert und habe sich dabei eine Prellung zugezogen, erinnert sich die 70-Jährige. "Da musste ich dann pausieren."

Auch Wally Mies ist seit 1983 beim Lauftreff aktiv. Gemeinsam mit Professor Dr. Klaus Haerten hat die 71-Jährige 1993 sogar an einem Marathon in New York teilgenommen. "Das war echt ein tolles Erlebnis", erinnert sich Wally Mies. Viele Mitglieder des Lauftreffs sind regelmäßig bei Wettkämpfen in der Umgebung dabei, "und das sogar recht erfolgreich", betont Georg Berger.

Seit sich Wally Mies vor einiger Zeit jedoch einer Knie-Operation unterziehen musste, ist an Wettkämpfe nicht mehr zu denken. Das Laufen klappt seither nicht mehr so gut. "Das ist aber gar nicht so schlimm", sagt die Hobby-Sportlerin. "Ich bin einfach auf Nordic Walking umgestiegen." Wally Mies und einige andere Fans des Trendsports haben vor zweiJahren mit dem Nordic Walking begonnen und eine "Untergruppe" im Lauftreff gegründet. "Gerade vielen Frauen macht das Walking mehr Spaß als Laufen", sagt Willi Vißer, der die "Untergruppe" betreut. Mit ihren Laufstöcken "bewaffnet" lassen es die Walker ein klein wenig langsamer angehen als die Läufer. "Das heißt aber nicht, dass wir gemütlich spazieren gehen", betont Vißer.

Doch eigentlich sei es egal, welchen Sport man macht, findet Vißer. "Hauptsache, man tut was." Wenn er abends von der Arbeit heimkomme oder einen richtig schlechten Tag gehabt habe, sei die Verlockung, sich mit einem Bier aufs Sofa zu setzen, oft genug da, gibt Vißer zu. "Aber wenn ich mich dann einmal aufgerafft habe und ´ne Stunde laufen gehe, geht es mir einfach wieder richtig gut. Es lohnt sich. Und wer damit einmal angefangen hat, kann meist nicht mehr aufhören." Das kann auch Heinrich Berger bestätigen. Der 84-Jährige war lange Jahre aktiver Läufer. "Mittlerweile klappt das leider nicht mehr", sagt er. Sportlich aktiv will er trotzdem bleiben. Oft kommt Heinrich Berger samstags zum Treffpunkt am Aaper Weg. Während die Läufer dann zu Fuß ihre Distanzen absolvieren, fährt Berger ihnen mit dem Fahrrad hinterher. "So bleibe ich immer noch fit", freut er sich.

25.02.2007    NRZ - GABI SCHULTZE (Text) GERD HERMANN (Fotos)